
Seit geraumer Zeit macht eine Chassis Serie des „neuen“ italienischen Herstellers RS Speakers von sich reden. Hinter dem Namen verbirgt sich kein neu gegründetes Unternehmen im eigentlichen Sinne. Die neue Marke bezeichnet eine Premium Reihe des renommierten Herstellers Sica. In diese Chassis lassen die Ingenieure des Firmenchefs Raimondo Sbarbati interessante Details einfließen. So zieren die Membranen per Laser eingebrachte Kurven, die der Lehre des italienischen Rechenmeisters Leonardo da Pisa folgen. Der Meister hat unter dem Namen Fibonacci große Bekanntheit erlangt, und die Chassis Serie trägt diesen berühmten Namen.
Kürzlich fand sich auf der Website von Dibirama eine Messung des Modells WM140.38 Fibonacci, einem Tiefmitteltöner der auf dem Sica 5.5H1.5CP beruht.

Diego von Dibirama veröffentlicht auf seiner Website Messungen von beiden Chassis. Im Vergleich bietet der neue Fibonacci Typ einen sanfteren Roll Off mit stark reduzierten Resonanzen am oberen Übertragungsbereich, welcher selbst auch höher reicht, als bei dem Bruder von Sica. Obwohl der obere Hochtonbereich gegenüber dem Bezugspegel abfällt, wuchs in mir die Idee, dieses Chassis mit einigen kleinen Schaltungskniffen tauglich für den Fullragebetrieb zu machen.
In einer Schallwand mit den praxisgerechten Maßen 300 x 200 mm und ca. 16mm breiten Fasen simuliert sich das Chassis wie folgt:
MW 140.38 Fibonacci unbeschaltet
Deutlich zeigt sich der Effekt des Baffle Step, und ebenfalls der, im Vergleich zum nach der Beschaltung verbleibenden Bezugspegel von ca. 81-82dB, zu leisen Hochtonbereich. Zu dessen Anhebung kommt ein altbekannter Schaltungskniff zur Anwendung. Hierfür schaltet man eine kleine Spule in Reihe und hinter dieser einen kleinen Kondensator parallel vor das eigentliche Filter. Die infolge dieser Maßnahme im Hochtonbereich absinkende Impedanz sorgt für eine Anhebung des entsprechenden Bereichs. Hierbei gilt es zu beachten, dass die resultierende Impedanz nicht zu stark in kritische Bereiche abfällt. Die passenden Werte zu finden ist auch ein wenig kniffelig, aber mit ein wenig Tüftelei findet man in vielen Fällen einen gangbaren Weg. Eine 0,12mH Spule in Kombination heben den Hochtonbereich wie folgt an:
MW140.38 Fibonacci mit 0,12mH + 1,8µF
Es zeigt sich nun ein deutlich kräftigerer Hochtonbereich, der jedoch leider im Bereich von etwa 12kHz zu einer sehr unschönen und schmalbandigen Überhöhung führt. Das kann und darf final auf keinen Fall so bleiben. Den Effekt des Baffle Step berühren diese beiden Bauteile auch noch nicht. Erst ein zusätzlicher Sperrkreis sorgt dafür dass diesbezüglich eine passende Korrektur erfolgt:
MW140.38 Fibonacci mit 0,12mH + 1,8µF und zusätzlichem Sperrkreis für Baffle Step
Erst durch diese Maßnahme spielt der Lautsprecher auch im Mitteltonbereich mit passendem Pegel. Nun passt auch der Hochtonanteil, wenn man von der Spitze bei 12kHz einmal absieht. Damit auch diese in der Versenkung verschwindet, bedienen wir uns eines kleinen Saugkreises als weitere Korrektur:

MW140.38 Fibonacci mit 0,12mH + 1,8µF und zusätzlichen Sperr- und Saugkreisen

MW140.38 Fibonacci mit 0,12mH + 1,8µF und zusätzlichen Sperr- und Saugkreisen ohne Referenzen
Diese Variante könnte man durchaus als final bezeichnen, jedoch möchte ich dem kleinen Peak bei ca. 3,5kHz noch Beachtung schenken. Oftmals wirken sich solche unscheinbar aussehenden Störungen gehörtechnisch unangenehm aus. Dieser Makel lässt sich mit einem weiteren Saugkreis eliminieren, und übrig bleibt ein makelloses Verhalten, vor dem sich sehr viele als Breitbänder ausgewiesene Chassis locker verstecken können.

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf 0°
Auch das horizontale Abstrahlverhalten zeigt keine besonderen Auffälligkeiten.

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf 0° Abstrahlverhalten 0° – 90°
Bis in den Bereich der starken Bündelung verläuft alles perfekt. Allerdings führt diese folgerichtig optisch zu einem insgesamt etwas mittenbetonten Energieverhalten:

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf 0° Energiefrequenzgang
Obwohl das Verhalten eher optischer Natur ist, besteht die Möglichkeit, den Energiefrequenzgang zu optimieren. Dafür ergibt sich allerdings auf Achse 0° eine leichte Senke.

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf Energiefrequenzgang FG 0°

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf Energiefrequenzgang FG 0° – 90°

MW140.38 Fibonacci final optimiert auf Energiefrequenzgang
Ob diese Variante zu einem besseren Klang führt, kann nur ein Versuch zeigen. Eventuell interessierten Nachbauern empfehle ich, zunächst die auf 0° optimierte Variante aufzubauen. Der für die auf den Energiefrequenzbganz optimierte Varianate notwenigige zusätzliche Saugkreis lässt sich nachträglich problemlos hinzufügen. Es handelt sich um die drei grün markierten Bauteile.
MW140.38 Fibonacci Weichenplan
Auch der Impedanzverlauf gestaltet sich problemlos. Die eingangs erwähnte Schaltung zur Anhebung des Hochtonbereichs führt keineswegs zu einem kritischen niederohmigen Verlauf.

MW140.38 Fibonacci Impedanzverlauf
Trotz der Tatsache, dass es lediglich um einen virtuellen Bauvorschlag handelt gilt wie immer:
Die Weichen- und Baupläne sind für private Nutzung freigegeben. Jegliche Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung ohne vorherige Absprache ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt. (The crossover and constrction plans are released for private use. Any form of commercial use or distribution without prior agreement will be prosecuted.)
Auf die Veröffentlichung eines Gehäusebauplans verzichte ich an dieser Stelle. Die Simulationen erfolgte in einer Schallwand mit 30 x 20 cm (H x B) und einem Chassismittelpunkt 10cm unterhalb der oberen Gehäusekante. Die Breite der seitlichen Fasen beträgt 16mm. Bei der Erstellung des Titelbildes hat die KI noch Fasen an der Ober- und Unterkante hinzugemogelt. Das Volumen beträgt 10 Liter, und die Abstimmung des BR Ports liegt bei ~52 Hz.
Viel Spaß beim eventuellen Nachbau.