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Fiancino

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Fiancino. Ich bin die Schwester der Fianco. Ok, ich bin etwas kleiner, was mich aber auch unauffälliger und noch universeller einsetzbar macht. So spiele ich z. B. ganz hervorragend direkt vor einer Wand, oder als Effektlautsprecher bzw. Center in einem Heimkino Setup. Ich bin geschlossen, und im Bassbreich hilft mir ein Hochpasskondensator auf die Sprünge. Zudem hat mein Entwickler dafür gesorgt, dass mein Wirkungsgrad etwas niedriger liegt als der meiner Schwester. Dafür spiele ich für meine nur knapp 4 Liter schmale Taille recht erwachsen auf.

Wie bei der Fianco spielt auch in der Fiancino der bewährte Sica Koax 5.5 C 1.5 CP.

Sica 5.5 C 1.5 CP

 

Eine AJHorn Simulation zeigte nämlich, dass das schmucke Chassis auch in einem kleinen GHP Gehäuse eine sehr ordentliche, und für viele Einsatzbereiche geradezu prädestinierte Performance bietet.

Sica 5.5 C 1.5CP in 6 Litern BR vs. 4 Liter GHP

 

Die GHP Simu (rot) zeigt eine untere Grenzfrequenz -3dB bei ca. 60 Hz, bei gegenüber der BR Variante reduziertem Pegel. Dies sollte bei der Beschaltung des kleinen Kubus natürlich berücksichtigt werden.

Die in das Simulationsprogramm XOver importierten Messungen zeigten, dass sich durch den Einbau des Chassis in einen Kubus der Effekt des Baffle Steps in einer sehr steilen Stufe zeigt. Das war bereits bei der größeren Schwester so.

Fiancino Tiefmitteltöner 0° – 90° unbeschaltet

 

Fiancino Hochtöner 0° – 90° unbeschaltet

 

In der Simulation, deren Weichentopologie jener der Fianco sehr nah kommt, stellt sich ein insgesamt gutes Verhalten ein, welches auf Achse kleinere, durch Kantendiffraktion bedingte Unruhigkeiten mit sich bringt. Unter Winkeln blüht die Fiancino jedoch auf. Für einen Koaxiallautsprecher ist das Abstrahlverhalten mehr als nur gut. Letztlich habe ich mich dazu entschieden, eine Senke im unteren Mitteltonbereich in Kauf zu nehmen. Mit deutlich größerem Aufwand in der Beschaltung hätte diese zwar verringert werden können. Akustisch stellt sie aber kein Problem dar. Ihre Intensität verliert sich unter Winkeln ohnehin. Gleichzeitig bleibt der Aufwand für die Beschaltung in sehr vertretbaren Grenzen.

Fiancino Simulation 0° – 90°

 

Wie immer musste die auf Basis dieser Simulation gesteckte Weiche zeigen, ob die realen Messungen halten, was die virtuelle Beschaltung verspricht.

Fiancino Messung 0° – 90°

 

Natürlich stimmt die Messung sehr genau mit der obigen Simulation überein. Das ist quasi immer so. Dennoch erfreut es das Entwicklerherz, wenn sich die von der Simulation prognostizierten Ergebnisse in der Praxis auch einstellen.

Fiancino Messung 0° + Zweige

 

Die Trennfrequenz liegt bei rund 2,6 kHz mit wunderbar symmetrisch verlaufenden Flanken, deren Schnittpunkt 6 dB unterhalb der Summenkurve verläuft. Die Phasenlage ist somit einwandfrei. Die kleine Zacke in der abfallenden Flanke des Tiefmitteltöners führt zu einer kleinen Schweinerei bei 5 kHz. Hier spinkst der Pegel des Hochtöners kurz und minimal über den Gesamtpegel hinaus. Geschenkt, da definitiv nicht hörbar.

Fiancino Messung 0° Fern- und Nahfeld gefügt (Freifeld) + Impedanzverlauf

 

Der Impedanzverlauf sinkt bei etwa 200 Hz nur schmalbandig knapp unter die 4 Ohm Marke. Eine hohe Betriebssicherheit mit quasi jedem ordentlichen Verstärker ist also garantiert.

Fiancino Weichenplan

 

Warenkorb für die Weichenteile der Fiancino im Quint-Store (Preisstand 16.09.2020)

 

Die Weichenschaltung fällt recht moderat aus. Über den Parallelwiderstand des Spannungsteilers kann der Hochtobereich eingestellt werden. Die Messungen erfolgten mit dem 3,9 Ohm Widerstand. Der Einsatz eines 4,7 Ohm Typen führt zu etwa 1 dB mehr Hochtonenergie.

Fiancino Bau- und Bedämpfungsplan (vergrößern -> rechte Maustaste -> Grafik anzeigen)

 

Die Weichen- und Baupläne sind für private Nutzung freigegeben. Jegliche Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung ohne vorherige Absprache ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt.

Zum seinen Fiancino äußert sich Chrissn H. aus der FB Gruppe wie folgt:

Da stehen sie nun, die Fiancinos. Nur noch schleifen und lackieren und dann sind sie endlich fertig.
Klangvergleich mit Heco Victa 201… Stimmen versteht man besser, die Höhen sind präziser und dabei weniger nervig. Bassdrums knallen jetzt etwas besser. Denke das die Mitten und der Grundton einfach kerniger sind. Etwas Bass können sie schon auch wenn sie ab 80 Hz abfallen. Liegt wohl an der Aufstellung. Zusammen mit Subwoofer bei 80 Hz Trennung geht da jedoch einiges und laut geht auch. Well done, Alexander Gresler. Tolle Lautsprechercher!

 

4 Kommentare

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    • Thorsten Hoffmann auf 3. Dezember 2020 bei 20:10

    Hallo!

    Nachdem ich die Italian Stallion schon gebaut habe und super zufrieden damit bin, suche ich noch nach einem System für meinen PC.
    Da geht nur 2.0 oder 2.1 mit kompaktem SW. Ist die Fiancino geeignet, um sie über meinem PC-Monitor nach unten angewinkelt per Wandhalter an die Wand zu hängen und einen kleinen 18-20er Aktiv Sub dazu zu schließen?

    P.S. Diesen Winter werde ich endlich die Italian Stallion finishen. Wohl in Lack weiß…

    Gruß Thorsten

    • admin auf 3. Dezember 2020 bei 20:29
      Autor

    Hallo Thorsten,

    schön, dass dir die Italian Stallion gefallen.

    Die Fiancino sind prädestiniert für dein Vorhaben. Da der Bassbereich unterhalb 80 Hz ohnehin abfällt, bietet sich der Betrieb mit einem Subwoofer an.

    Gutes Gelingen und viele Grüße

    Alex

    • Stephan auf 24. Januar 2021 bei 18:50

    Hallo Alexander,

    im Moment sind meine Frau und ich in den letzten Vertragsschritten um uns ein Haus zu kaufen. Im neuen Haus werde ich wohl endlich meinen langgehgten Traum vom eigenen Heimkino realisieren können. Es wird zwar ein Abends-Heimkino, Tagsüber-Büro Hybrid werden, aber Kompromisse müssen halt meistens sein im Leben.

    Meine Frage ist nun, ob mein Plan deiner Meinung nach Sinn macht. Das Zimmer ist etwa 15m² groß und ich möchte Atmos oder Auro3d verwirklichen mit jeweils 4 Höhenlautsprechern. Damit alles wie aus einem Guss klingt wäre mein Plan 9x die Fianco oder Fiancino zu bauen und für alle Kanäle zu nutzen. Dabei sollen Front und Center direkt an die Wand gehangen hinter der schalldurchlässigen Leinwand verschwinden. Der Rest der Lautsprecher würde auch jeweils an die Wand gehangen werden. Als Untersützung sollen ebenfalls hinter die Leinwand zwei Flachsubs kommen.
    Das Heimkino soll sowohl für Filme als auch zum hören von Mehrkanalmusik (z.B. die Pink Floyd Immersionboxes) genutzt werden.

    Meinst du das die Fianco oder die Fiancino lassen sich gut und sinnvoll bei etwa 80Hz an die zwei Subwoofer ankoppeln? Und wenn welche der beiden würdest du in dem Fall eher empfehlen?
    Oder macht es mehr Sinn als Frontlautsprecher die Italian Stallion zu bauen und auf Subwoofer zu verzichten? Wobei dann die Frage ist, ob die Italian Stallion mit Fianco oder Fiancino als Center einen bruchlosen Übergang bilden würde.

    Vielleicht kannst du mir ja weiterhelfen.

    Viele Grüße

    Stephan

    • admin auf 25. Januar 2021 bei 09:48
      Autor

    Hallo Stephan,

    leider weiß ich nicht, was Atmos und Auro3d bedeuten. Ich kenne mich nämlich mit HK überhaupt nicht aus. Auch mit Mehrkanalmusik habe ich keinerlei Erfahrung. Mit den Fianco bzw. Fiancino verhält es sich so, dass die Fiancino durch ihre geschlossene GHP Bauweise unterhalb von etwa 80 Hz abfällt. Somit lässt sie sich für dein Vorhaben nutzen. Die etewas größere Fianco ist ein BR Lautsprecher, der etwas tiefer spielen kann. Natürlich lässt sich diese ebenfalls in deiner gewünschten Art und Weise betreiben. Durch die BR Ausführung profitierst du im Bereich der Abstimmfrequenz sogar noch durch die sich an dieserm Punkt einstellende Hubentlastung. Allerdings fällt eine BR Box steiler ab als eine geschlossene. Die Frage nach der Front ist aus der Ferne nicht so einfach zu beantworten. Ich persönlich habe noch nie im Leben den Wunsch nach einem Subwoofer verspürt, da ich natürliche Musikwiedergabe bevorzuge. Das kann jeder Lautsprecher ab einer gewissen Größe. Deswegen würde mit z. B. eine Italian Stallion vollkommen ausreichen, auch bei Filmen. Ein Paar Fianco als Front reicht natürlich nicht. Da benötigt man Unterstützung durch einen Sub. Nur, wenn man bei Filmen das Gefühl bevorzugt, von einer Abrissbirne getroffen zu werden, braucht man auch bei Verwendung „normaler“ Frontlautsprecher einen Sub.

    Viele Grüße und gutes Gelingen

    Alex

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