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Three-Sixtyfive – 3 Wege TQWT mit Dome-MT

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ lautet ein vielverbreitetes Sprichwort. Exakt so verhält es sich auch mit dem hier vorgestellten Lautsprecher, der eine weitere Gemeinschaftsentwicklung mit meinem Freund Gazza ist. Ursprünglich bestand die Idee darin, um den günstigen und guten SPM-116/8 aus der IceBox herum eine 3-Wege Box mit Chassis aus dem passendem Preissegment aufzubauen. Bei der Recherche fand Gazza einen interessanten Tiefmitteltöner. Es handelt sich um den SDS-160F25PR01-08 von Tymphany und somit um ein aktuelles Markenchassis mit einem sehr brauchbaren TSP Satz. Bei der weiteren Recherche auf der Tymphany Website stießen wir auf den GBS-85N25PR03-04. Die Angaben in seinem Datenblatt fanden wir so verlockend, dass der ursprünglich als Wurzel des Projekts gesetzte SPM-116/8 aus dem Rennen war. Als Hochtöner komplettiert der bereits in den hervorragenden Crazy und Crazy Again eingesetzte XT25SC90-04 das Ensemble.  Die Komponenten führen zu einem markenreinen 3-Wege Lautsprecher, dessen Bestückung sich pro Seite ab etwa 65 Euro realisieren lässt. Somit war der Name  „Three Sixtyfive“ gesetzt.

Betrachten wir zunächst den Tiefmitteltöner:

Tymphany SDS-160F25PR01-08

TSP

  • Rdc: 7,08 Ohm
  • Fs: 44,41 Hz
  • Sd: 141 cm²
  • Mms: 12,57 Gr
  • BL: 6,25 Tm
  • Xmax: 6,1 mm
  • Le: 0,42 mH
  • Qms: 3,14
  • Qes: 0,64
  • Qts: 0,53
  • Vas: 28,55 L
  • SPL: 87 dB

 

Mit diesem TSP-Satz, der zu quasi identischer Abstimmung wie bei Simulation mit den TSP aus dem Datenblatt führt,  ist das Chassis für den Einsatz in einer TQWT prädestiniert. In einer 155cm langen Line fühlt sich das Chassis pudelwohl und produziert Tiefbass bis um ca. 35 Hz mit einer sanft abfallenden Flanke.

TQWT Simulation mittels MJK-Sheet

Die geschickt gewählte Position des Ports reduziert störende Resonanzen und Mitteltonmüll auf ein vollkommen zu vernachlässigendes Maß. Beste Voraussetzungen also für ungetrübten Musikgenuß.

Den Mitteltonbereich übernimmt, wie eingangs bereits erwähnt, ein etwas üngewöhnlicheres Chassis von Tymphany. Der GBS-85N25PR03-04, der beim Hersteller als Bass gelistet wird, fällt mit seiner kalottenförmig ausgeführten Membran sofort ins Auge. Sein Datenblatt verspricht einen sehr linearen Amplitudenverlauf bis weit in den oberen Mitteltonbereich hinein.

Tymphany GBS-85N25PR03-04

Für den Hochtonpart hatten wir die Wahl zwischen zwei verschiedenen Hochtönern mit fast gleichem Frontplattendurchmesser. Nach einigen Versuchen in einer Testschalltand stellte sich schnell heraus, dass die XT25SC90-04 zu deutlich besserem Abstrahlverhalten führte.

Tymphany XT25SC90-04

Um ein insgesamt sauberes Abstrahlverhalten zu ermöglichen, wurde ein Gehäuse aufgebaut, welches im Bereich der MHT-Einheit über schräge, breite Fasen verfügt.

Gehäuse mit Fasen

In diesem Gehäuse wurden Einzelmessungen der drei Chassis im unbeschalteten Zustand vorgenommen und in die Simulationssoftware Xover importiert.

Importierte Messung TT 0°

Sehr schön sieht man zwischen etwa 300 Hz und 600 Hz die Auswirkung des Baffle Step als sanft ansteigenden Bereich. In diesem Fall gelingt die notwendige Korrektur durch eine „zu große“ Spule im Tiefpass. Eine solche Beschaltung birgt jedoch die Gefahr, dass sich durch  Wechselwirkung mit dem zweiten Impedanzhöcker eine Überhöhung im Oberbass einstellt, die zu einem unangenehmen One-Note-Bass führen würde. Sowohl die Simulation als auch die im späteren Verlauf dieses Artikels veröffentlichte Nahfeldmessung zeigen, dass dies bei der „Three-Sixtyfive“ nicht der Fall ist.

Importierte Messung MT 0°

Anders als beim Tieftöner zeigt sich beim Mitteltöner die Auswirkung des Baffle Step im Bereich zwischen etwa 650 und 800 Hz als recht prägnante Stufe. Bei der späteren Entwicklung der Weiche konnte die Trennfrequenz zwischen den beiden Chassis genau in diesen Bereich gelegt werden. Der Vorteil dieser Maßnahme ist die Tatsache, dass die Beschaltung des Mitteltöners keinerlei Eingriffe zur Korrektur des Baffle Step enthalten muss und somit sehr einfach bleiben kann.

Importierte Messung HT 0°

Neben einem möglichst linearen Amplitudenverlauf, sowie einem sauberen Abstrahlverhalten galt es noch auf ein weiteres Detail zu achten. Bis auf den TMT handelt es sich um 4 Ohm Chassis, die bei Beschaltung dazu neigen, den Impedanzverlauf des gesamten Systems auf unzulässig niedrige Werte zu ziehen. Nach einigen Spielarten bezüglich der Weichentopologie konnte eine überzeugende Variante der Beschaltung gefunden werden.

Xover – Simulation „Three Sixtyfive“ 0° – 45° ohne Einzelzweige

Xover – Simulation „Three-Sixtyfive“ 0° – 45° mit Einzelzweigen

Die obigen Simulationen von 0° – 45° stellen auch unter Winkeln ein sehr ordentliches Abstrahlverhalten in Aussicht, welches es im nächsten Schritt durch Messungen am lebenden Objekt zu verifizieren galt.

Messung „Three-Sixtyfive“ 0° – 90°

Wie zu erwarten zeigen die Messungen eine hervorragende Übereinstimmung  mit der Simulation. Selbst bis 90° zeigt sich ein sehr gutes Abstrahlverhalten mit der gewünschten, zunehmenden Bündelung zum oberen Hochtonbereich.

Frequenzgang „Three-Sixtyfive“ gemerged aus Nah- und Fernfeld mit separatem Portanteil

Die obige Grafik zeigt die einwandfreie Funktion der TQWT. Durch die geschickte Positionierung des Ports bereits während der Simulation bleiben Portresonanzen und der gefürchtete Mitteltonmüll nahezu vollständig aus und bewegen sich im nicht erwähnenswerten Bereich. Ggfs. kann die Tuningfrequenz durch Kürzen des Ports noch ein wenig angehoben werden. Das ist abhängig vom Hörgeschmack und/oder der Aufstellung der Lautsprecher im Hörraum.

Impedanzverlauf „Three-Sixtyfive“

Die Impedanzkurve der Three-Sixtyfive erreicht ihr Minimum mit einem Wert von rund 4,3 Ohm bei etwa 2 kHz. Damit dürfte sie mit quasi jedem Verstärker harmonieren und einen problemlosen Betrieb gewährleisten. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Abstimmung der TQWT auf knapp über 30 Hz ebenso perfekt mit der MJK-Simulation übereinstimmt.

„Three-Sixtyfive“ Weichenplan

Die Weichenschaltung der Three-Sixtyfive konnte dank der gutmütigen Chassis recht einfach ausfallen. Der Tieftonzweig kommt mit einem Filter 2. Ordnung und einer Impedanzlinearisierung aus. Dem Mitteltöner reicht ein Hochpass ebenfalls 2. Ordnung und ein Tiefpass 3. Ordnung mit einem Vorwiderstand. Lediglich der Hochtöner benötigt, zusätzlich zu seinem Filter 3. Ordnung, zwei kleine Korrekturen in Form eines Saugkreises und eines Shelving-Filters, sowie eine Pegelanpassung.

„Three-Sixtyfive“ Klirr @ 85dB

Bau- und Bedämpfungsplan (vergrößern: rechte Maustaste –> Grafik anzeigen)

Die Weichen- und Baupläne sind für private Nutzung freigegeben. Jegliche Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung ohne vorherige Absprache ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt.

 

L. E. schreibt in der FB Gruppe des Akustischen Untergrunds

Ich hab die 3-65 ja letztes Wochenende hören dürfen und muss sagen, dass sie mich ziemlich begeistert hat. Angesichts der Baukosten ist das mal wieder ein super Schnäppchen. Der ungewöhnliche Mitteltöner macht seine Sache sehr gut, die XT25 im Hochton ist vorzüglich und der Tympany liefert deutlich lauter, als man denken kann, einfach ab. Ich hatte ja meine Zweifel, als es hiess, das wird ein 3-Weger mit 17er im Bass – ich nehme alles zurück!
Ganz tolle Kiste, die auf den Fotos massiger wirkt als sie ist. Und das Finish ist zurückhaltend aber sehr schick geworden.

 

2 Kommentare

    • Stefan on 22. Mai 2019 at 18:40

    Hi Alex,
    das ist ja wieder ein spannendes Konzept! Speziell die etwas exotische Bestückung.
    Ich habe vor einiger Zeit die Crazy again gebaut, welche sehr schön spielt und wenig Wünsche der Verbesserung offen lässt. Mein Eindruck war lediglich, dass die Bässe ein wenig trockener hätten sein können (ausprobiert in verschiedenen Räumen und mit verschiedenen Amps).

    Wie ist die 3-65 im Vergleich zur Crazy again? – Kann man das überhaupt mit wenigen Worten beschreiben?
    Wie ist etwa der Wirkungsgrad der 3-65?

    Auch bin ich schon sehr gespannt auf die Fertigstellung der „Hans Dampf“. Die hat ja ordentlich Wirkungsgrad, was ich generell sehr mag.

    So viele schöne Lautsprecher, die ich nachbauen möchte…

    VG,
    Stefan

    • admin on 26. Mai 2019 at 10:16
      Author

    Hallo Stefan,

    die Three-Sixtyfive verfolgt ein ganz anderes Konzept als die Crazy Again. Lediglich der HT ist identisch. Die Lautsprecher sind schwer miteinander vergleichbar. Bei beiden Lautsprechern wurde großes Augenmerk auf ein gutes Abstrahlverhalten gelegt. Beide Lautsprecher klingen sehr ausgewogen. Im Vergleich zur Crazy Again hat die Three-Sixtyfive einen merklich geringeren Schalldruck. Klar, sie ist mit nur einem TT ausgestattet.

    Viele Grüße

    Alex

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