Zurück zu Eigene Entwicklungen

Crazy Again

„Alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei.“ Das gilt leider auch für die Crazy, deren Tiefmitteltöner als in größerer Stückzahl angebotene Restposten angeboten wurden, welcher inzwischen ausverkauft ist. Das damals verwendete Chassis des Typs  LPT130/19/100SG war von solch guter Qualität, dass der Erstellungspreis für ein paar Lautsprecher in derart hoher Qualität schon als kleine Unverschämheit galt.

Immer wieder erreichen mich Nachfragen, ob nicht andere Chassis für den Bau der Crazy verwendet werden können, oder ob gar ein Nachfolger der Crazy in Planung wäre. Zweiteres habe ich nun mit Chassis aus aktueller Produktion in die Tat umgesetzt. Der resultierende Lautsprecher ist zwar nicht mehr ganz so unverschämt günstig wie die Ur-Crazy. Dennoch ist sie im besten Sinne preis-wert. Let’s go „Crazy Again“…

Zunächst galt es, einen Tiefmitteltöner zu finden, der nicht nur akustisch, sondern auch elektrisch sehr nah am legendären LPT130/19/100SG liegt. Zur Erinnerung hier noch einmal dessen TSP-Satz:

Fs: 67,29

Qms: 4,98

Qes: 0,63

Qts: 0,56

Re: 7,55

Le: 0,63

Mms: 6,2

Cms: 0,91

Rms: 0,53

B/L: 5,6

Vas: 8,5

Sd: 81,7

Spl: 88,28

Einen ebenbürtigen Nachfolger fand ich im Tymphany SDS-P830656, einem solide gemachten 5,25 Zoll Chassis, dessen Korbrand so pfiffig designed ist, dass sich eine Einfräsung komplett erübrigt. Sein TSP-Satz lässt die Verwendung im originalen Gehäuse zu, was ein Upgrade für Ur-Crazy User problemlos ermöglicht.

SDS P-830656

Fs: 57

Qms: 3,6

Qes: 0,7

Qts: 0,59

Re: 6,1

Le: 0,37

Mms: 9,3

Cms: 0,83

Rms: 0,94

B/L: 5,36

Vas: 8,77

Sd: 86,6

Spl: 85,7

Die Tiefbassausbeute liegt bei unveränderter Portlänge auf identischem Niveau, wobei der SDS P-830656 einen etwas geringeren Kennschalldruck aufweist.  Dies muss bei der Dimensionierung der 2 1/2-Wege Beschaltung selbstverständlich berücksichtigt werden. Eine etwas tiefere Abstimmung wird den Rest übernehmen.

LPT130/19/100SG vs. SDS P-830656

Nach dem Motto „Never touch a running System“, verrichtet der bereits in der Ur-Crazy eingesetzte Hochtöner Peerless XT25SC90-04 auch in der „Crazy Again“ seine vorzüglichen Dienste.

XT25SC90-04

Wie immer, wurden zunächst Messungen der unbeschalteten Chassis im Gehäuse angefertigt und in ein Simulationsprogramm eingepflegt. Die resultierende Simulation von 0° – 45° zeigt das von der Ur-Crazy bekannte, gute Abstrahlverhalten. Wegen einer Störung, die der Hochtöner besonders unter Winkeln produziert, wird ein Saugkreis nötig, dessen Wirkung unter 0° und 15° zu einer kleinen Senke im Amplitudenverlauf führt. Auch dies entspricht der Beschaltungstopologie der Ur-Crazy.

Simulation „Crazy Again“ 0° -45°

Eine parallele Simulation mit Boxsim zeigt ein deckungsgleiches Ergebnis, wobei diese Simulation zusätzlich die Bassperformance aus den TSP der beiden TMT generiert und darstellt.

Simulation „Crazy Again“ 0° mit Einzelzweigen und aus TSP berechneter Bassperformance

Der nächste Schritt brachte mich in meinen Messraum, wo mein bewährtes Weichenklemmbrett bereits auf die Fütterung mit Bauteilen wartete. Schnell war die Testweiche aufgebaut, und so konnte das Mikrofon kurze Zeit später die ersten Messungen einfangen.

Messung Crazy Again 0° – 60°

Wie zu erwarten decken sich die Messungen mit den Simulationen. Die leichten Welligkeiten im Mitteltonbereich rühren von einem größt möglichen Messfenster her. Natürlich könnte man dies durch ein Smoothing und/oder eine größere „Range“ kaschieren, aber… 😉

Weichenschaltung Crazy Again

Frequenzweiche Crazy Again mit Wago-Anschlußklemmen

Die 2,7mH Spule im Tiefpass habe ich bewusst als Luftspule mit 1mm Draht gewählt. Mit einem mittleren Innenwiderstand von etwa 0,9 Ohm trägt sie dazu bei, dass die Impedanzkurve der Box nicht allzu tief unter 4 Ohm fällt. Auch die 0,39mH Spule vor dem Tiefmitteltöner sollte als Luftspule mit 1mm Draht ausgeführt werden. Bei den weiteren Spulen ist 0,7mm Draht optimal.

Warenkorb für „Crazy Again“ Weichenteile im Quint-Store

Impedanzverlauf

Impedanzverlauf Crazy Again

Bau- und Bedämpfungsplan „Crazy Again“

Die Baupläne sind für private Nutzung freigegeben. Jegliche Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung ohne vorherige Absprache ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt.

 

User Vangart schrieb am 24.05.2018 im HiFi Forum

Im Anschluss durfte endlich die Crazy-Again ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Und ich kann es bereits vorweg nehmen. Der Name ist Programm. Wie souverän dieser Lautsprecher Musik reproduziert und dabei weder Auflösung noch Bühne vermissen lässt, ist verrückt. Beim Hören musste ich wiederholt den Kopf schütteln und darüber sinnen, wie viele Menschen es da draußen gibt, die sich für hunderte oder tausende von Euro Fertiglautsprecher in die Wohnung stellen und letztlich ihr Geld zum Fenster hinaus werfen. Eine Hörprobe mit diesem Lautsprecher und sie wären geläutert. Die Wiedergabe geschieht auf einem Niveau, dass man dieser Entwicklung das Prädikat herausragendes P/L-Verhältnis attestieren kann. Nachbaufaktor garantiert!

 

 

13 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

    • Holger on 20. April 2018 at 19:01

    Gratulation zur Wiederbelebung der Ur-Crazy und danke für das posten der Weiche und des Bauplans. Wann kommt die erste Klangbeschreibung und der klangliche Vergleich zur Ur-Version? Das interessiert bestimmt viele Leser….
    Ich habe ein wenig mit dem SDS P-830656 simuliert. Warum nicht ein zum Beispiel 40 Liter Gehäuse genommen, um ein wenig mehr Tiefbassausbeute zu erzielen? War ein Gedankengang bei der Auslegung der Crazy Again das Gehäuse der Ur-Crazy beizubehalten?

    • admin on 25. April 2018 at 13:11
      Author

    Hallo Holger,

    eine vergleichende Klangbeschreibung zur Ur-Crazy kann und wird es nicht geben. Dazu müsste ich beide Lautsprecherpaare nebeneinander stellen. Da ich aber das urspüngliche Gehäuse für den Umbau zur Crazy Again genutzt habe, entfällt diese Möglichkeit. Die Tatsache, dass durch diese Maßnahme für Besitzer der Ur-Crazy die Möglichkeit besteht, ihre Lautsprecher relativ einfach zur Crazy Again upzugraden, habe ich zum Anlass genommen, die Gehäuse nicht zu verändern. Zudem hätte eine Vergrößerung des Gehäuses die in sich sehr stimmigen Proportionen des Gehäuses verändert. „Mehr Tiefbassausbeute“ sollte nicht immer primäres Ziel bei einer Entwicklung sein. Der Bass der Crazy Again reicht etwas tiefer als beider U-Crazy, Dafür verläuft die Flanke etwas flacher. Insgesamt ist ein sehr stimmiger Lautsprecher mit sehr gutem Basspotential entstanden.

    Viele Grüße

    Alex

    • Andreas on 8. Mai 2018 at 09:50

    Hallo Alex,

    eine Frage zu dem Port. Ich habe mir diesen hier im Quint-Store bestellt.
    https://quint-store.com/zubehoer/bassreflexrohre/bassreflexrohr-brr70

    Muss ich die Gesamtlänge auf 110mm kürzen? Oder muss der Port die 16mm Wandstärke + 110mm betragen?

    • admin on 8. Mai 2018 at 10:07
      Author

    Hallo Andreas,

    die Gesamtlänge beträgt 110mm. Wenn du noch etwas zugibst, verlagert sich die Abstimmfrequenz nach unten. Der Bass reicht tiefer, wird aber auch leiser. Umgekehrt verhält es sich bei weiterer Verkürzung des Ports. Der Bass wird „dicker“, aber reicht weniger tief. Wenn der erworbene Port länger ist als 110mm, sind Experimente durchaus legitim. Kürzen kannst du immer noch…

    Viele Grüße

    Alex

    • Gerhard on 12. August 2018 at 10:53

    Hallo Alex,
    nach langem habe überlegen habe ich mich durchgerungen Deine Crazy Again nach zu bauen.
    Als absoluter Neueinsteiger in das Thema haben sich ein paar Fragen über die Einige vielleicht lachen werden, angesammelt.
    In Deinem Weichenplan und Bild der Frequenzweiche sind 16 Bauteile (ohne die Wago) aufgeführt, in der Bestelliste finde ich nur 15. Wo liegt mein Fehler?
    In der Bestelliste sind jeweils ein ECAP mit 10,00µF und 22µF sowie ein Cross Cap 10,00µF und 22µF enthalten, woran erkenne ich im Bauplan wo ich die ECAP und wo die Cross Cap verbauen muss?
    Beim Gehäuse frage ich mich wie Du es verschließt.
    Welche Seite schließt Du als letzte und wie befestigst Du sie, schraubend oder klebend (Leim)?
    Vielen Dank im Voraus
    Gerhard

    • admin on 12. August 2018 at 12:28
      Author

    Hallo Gerhard,

    schön, dass du dich für die Crazy Again entschieden hast. Die Anzahl der Bauteile auf dem Bild, dem Plan und im Warenkorb ist mit jeweils 16 Stück überall gleich. Wahrscheinlich hast du übersehen, dass im Warenkorb der 10µF Ecap doppelt vorhanden ist. Man sieht das nur durch den verdoppelten Preis. Die Ecaps werden dort eingesetzt, wo sie parallel zum Chassis liegen. Die beiden Cross Caps mit den Werten 10µF und 22µF gehören vor den Hochtöner. Der Zusammenbau des Gehäuses sollte lediglich mit Leim erfolgen. Schrauben oder gar Nägel sind fehl am Platz. Anhand der Bauzeichnung lässt sich eine Zuschnittliste erstellen. Die Maße hängen davon ab, wie du den Zusammenbau wünschst. In meinem Fall sind Front- und Rückwand aufgesetzt.

    Viele Grüße

    Alex

    • Gerhard on 12. August 2018 at 14:37

    Hallo Alex,
    vielen Dank für die schnelle Rückantwort.
    Du hast Recht mit der Stückzahl, man sollte lesen können…
    Um mir, nur wegen der 2 Ecaps, die 6,10€ Versand bei Quint zu sparen wäre es super wenn ich die benötigten Ecaps bei Pollin bekäme. Wäre das aus Deiner Sicht möglich oder kommt da derzeit qualitativ nichts in Frage?
    Nur kenne kenne mich zu wenig damit aus, kannst Du bitte bei Pollin kurz reinschauen und mir eine Empfehlung geben?
    Viele Grüße
    Gerhard

    • admin on 12. August 2018 at 15:26
      Author

    Hallo Gerhard,

    Pollin hat derzeit tatsächlich 2 verschiedene bipolare 10µF Elkos im Programm, die aber nur über eine sehr geringe Spannungsfestigkeit verfügen. Diese sind nicht zu empfehlen. Bei Pollin würde der Versand auch 4,95 Euro kosten, so dass die Ersparnis ohnehin nicht so groß ausfiele…

    Viele Grüße

    Alex

    • Gerhard on 12. August 2018 at 16:40

    Hallo Alex,
    wiedermal vielen Dank.
    Bei Pollin hätte ich keine Versandkosten aber ich riskiere lieber nichts und gehe auf Nummer Quint, äh sicher.
    Viele Grüße
    Gerhard

    • Matthias on 25. September 2018 at 11:03

    Hallo Alex,
    Ich plane grade ein Heimkino 4.0 System, das auch zum Musik hören gedacht ist. Ein Subwoofer ist optional geplant, der Center wird wohl wegen meiner Situation des TV Boards wegfallen und durch eine Phantom-Center ersetzt. Meine Frage bezieht sich auf die Rear Lautsprecher. Ich möchte hinten schlanke Standlautsprecher einsetzten, würden die CT275 zu deinen Crazy Again passen ? Ich bin ganz wild darauf dein Lautsprecher nachzubauen ! Noch eine Frage, da ich sehr gern Rock, Hardrock und Metall höre sind die Crazys dafür geeignet ? Für ein Antwort wäre ich dir sehr dankbar !

    Beste Grüße
    Matthias

    • admin on 26. September 2018 at 04:34
      Author

    Hallo Matthias,

    schön dass du dich für die Crazy Again interessierst. Ob die CT 275 dazu passen, kann nur ein Test zeigen. Ich vermute aber keine Probleme. Die Crazy Again sind sehr neutral abgestimmt und eignen sich somit für jegliche Art von Musik. Durch ihren relativ hohen Wirkungsgrad ist auch eine recht hohe, maximale Lautstärke möglich. Irgendwo haben 2 5,5 Zöller natürlich auch ihre Grenzen. Es hängt also ein wenig davon ab, ob du ständig sehr sehr hohe Pegel erreichen möchtest.

    Viele Grüße Alex

    • Stefan on 29. Oktober 2018 at 11:11

    Hi Alex,

    ich habe diesen Lautsprecher nachgebaut. Der Aufbau ging mir dank der sehr guten Dokumentation leicht von der Hand. Speziell die Tipps zur Anfertigung der auslaufenden Fasen hat mir sehr geholfen – Genial einfach, einfach genial!
    Als ich dieses Projekt auf Ihrer Webseite entdeckt hatte, mußte ich sofort an die Lautsprecher „Spark III“ von Audio Physic denken, welche mit einer sehr ähnlichen Bestückung daherkommen. Den Spark hatte ich für sehr kurze Zeit in meinem Wohnzimmer. Ich fand den Klang auf den ersten Eindruck „Wow“, aber der Eindruck hielt nicht lange an! Irgendwie waren die Speaker doch recht stark gesounded in eine highendige Richtung. Das klang alles nicht echt, irgendwie nicht ehrlich. Das war absolut nichts für mich!
    Sehr hat mich interessiert, was Sie aus gleichartigen Chassis herausholen, deshalb meine Entscheidung zum Nachbau der Crazy Again.
    Nun, die Teile spielen, und wie! Kein Vergleich zu den Spark, alles ist da, nichts übertrieben, nichts geht verloren: Tolle Bühne in Breite und Tiefe, sehr authentische Stimmen, Bässe, die mit „Saft“ daherkommen. Aber schlechte Aufnahmen werden vom Lautsprecher auch sehr deutlich als solche gezeigt. Ich hatte vor dem Bau leichte Bedenken was die Pegelfestigkeit angeht. Die Lautsprecher können auch recht laut mit einer sehr guten Souveränität.
    Ihre besonderen Stärken zeigt dieser Lautsprecher meiner Meinung nach bei perkussiven Instrumenten. Das ist schon toll, wie die Sachen abgebildet werden, wie luftig der Sound daherkommt ohne auch nur im Ansatz spitz zu sein!
    Für meinen Geschmack könnten die Bässe etwas trockener daherkommen, aber das kann auch dem Aufstellungsaum geschuldet sein. – Ich werde die Speaker noch in anderen Räumen austesten, dann gibt es ein Update!
    Es ist lange her, dass mich ein Lautsprecher spontan so sehr begeistert hat, und dass die Begeisterung nun schon sein mehreren Wochen uneingeschränkt anhält!
    Absolute Nachbauempfehlung!
    Die Chassis gibt es übrigens bei DigiKey für wenig Geld bei kostenlosem Versand nach Deutschland!

    Alex, vielen Dank für Ihre tolle Arbeit in Bezug auf Entwicklung und Dokumentation, und viele Grüße,

    Stefan

    • admin on 29. Oktober 2018 at 11:43
      Author

    Hallo Stefan,

    vielen herzlichen Dank für das sehr ausführliche Feedback. Ich wünsche Ihnen, dass die Crazy Again Ihnen noch lange viel Freude bereiten werden.

    In diesem Sinne, schöne Grüße

    Alex

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.