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Save Up

Es geschah im Jahre 2009. Eine schlanke Standbox erblickte das Licht der Welt. Mit seinen unverschämt günstigen Zutaten mischte das als Sippo bekannt gewordene Böxlein die Bausatzszene gewaltig auf. Leider ist das schöne Stück inzwischen Geschichte. Die Restposten-Chassis sind vergriffen, und nur ganz selten tauchen vereinzelte Exemplare in den Auktionshäusern auf. Die Zeit ist also reif für eine ebenso preiswerte Nachfolgerin.

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Einmal mehr bietet der Surplus-Versender Pollin Electronic einen Restposten-Tieftöner an, dessen TSP denen des damaligen Sippo Tieftöners sehr nahe kommen. Unter Bestellnummer 641 027 wird das 13cm Chassis, welches in Belgien (ggfs. Philips?) gefertigt wurde, für lächerliche 2,50 Euro angeboten. Das Chassis wird eher keinen Schönheitspreis gewinnen, ist aber recht ordentlich verarbeitet. Auf etwa halbem Membrandurchmesser sind rundum laufend fünf „Pickel“ zu verzeichnen, die offenbar der Unterdrückung von Resonanzen dienen sollen.

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Pollin 13cm Tiefmitteltöner

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Zur Ermittlung der TSP wurden 4 Chassis gemessen:

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Auf Basis des Mittelwerts erfolgte die Simulation einer TQWT, der einzigen Gehäuseart, in der diese Chassis zu zufriedenstellender Arbeit zu bewegen sind. Das Ergebnis ist eine 90cm lange Line, in der der kleine Belgier die 50 Hz Marke knackt und dabei einen recht linearen Verlauf verspricht. Es wären noch knapp 5 Hz mehr Tiefgang drin gewesen, aber es wird dem Chassis gut tun, sich nicht unendlich strecken zu müssen.

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Pollin 13cm Tiefmitteltöner in 90cm TQWT

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Gemessen am Preis des Chassis ist das versprochene Ergebnis mehr als gut. Allerdings bedingt es den Einbau des Tiefmitteltöners auf der Rückseite der einmal gefalteten Line und somit auf der gleichen Seite mit dem Port. Es ließ sich aber zum Glück eine Einbauposition finden, in der sich die Störeffekte mit erfreulich geringem Pegel ausbreiten. Natürlich bleibt die Gelegenheit, den Port auf einer Gehäuseseite zu positionieren.

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Pollin 13cm Tiefmitteltöner Membranschall vs. Portschall

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Um dem Low Budget Gedanken Rechnung zu tragen, soll die Beschaltung so seriös wie nötig und gleichzeitig so einfach wie möglich ausfallen. Um  auf teure Korrekturbauteile verzichten zu können, soll der durch die Schallwandmaße hervorgerufene Baffle Step mit einer „zu großen“ Spule im Tiefpaß kompensiert werden. Zum Glück lässt sich mit dem Pollin-Chassis auf diese Art und Weise ein schön glatter Amplitudenverlauf mit einer nur kleinen Senke im Grundtonbereich einstellen. Natürlich soll der mitspielende Hochtöner eine ordentliche Serienkonstanz mitbringen.  Deswegen fallen die derzeit bei Pollin Electronic angebotenen Billigpillen nicht in die Auswahl. Um eine gute Hochtonwiedergabe mit schönem Rundstrahlverhalten und genügend Hochtonenergie zu erzielen, darf die Membran nicht zu groß ausfallen. Andererseits sollte das Chassis über einen ordentlichen Kennschalldruck verfügen. Preiswert muss es natürlich auch sein. Die Quadratur des Kreises liegt also nah. Noch näher liegt aber das rheinische Haan. Dort ist die Firma Visaton ansässig, die in ihren Regalen eine große Auswahl an geeigneten Breitbändern bereit hält. Nach einiger Recherche stieß ich auf den FRS 7, welcher in 4 und in 8 Ohm Ausführung angeboten wird. Simulationen ergaben, dass der Schaltungsaufwand bei beiden Chassis nahezu identisch ist. So entschied ich mich wegen des glatteren Amplitudenverlaufs für die 4 Ohm Variante. Mit einer Membranfläche SD von nur 22 cm² kann man den kleinen Breitbänder schon fast als Hochtöner bezeichnen. Mit einem Kennschalldruck von 88 dB (1W / 1m) und einem für diese Lautsprechergattung vollkommem untypisch guten Rundstrahlverhalten passt er hervorragend in das Konzept der Save Up.

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Visaton FRS 7

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Im nächsten Schritt wurde ein Gehäuse für die beiden Kandidaten aufgebaut. Eine einmal gefaltete Line mit einer Länge von 90 cm führt zu einem rund 50 cm hohen Gehäuse, welches ich auf Standboxenhöhe von 1 Meter gebracht habe. Dazu habe ich einfach Front, Rückwand und die Seiten nach unten verlängert. Positiver Nebeneffekt ist, dass somit genügend Raum für die Frequenzweiche und Anschlußbuchsen verfügbar wird. Zudem ist die Weiche für eventuelle Veränderungen jederzeit problemlos von außen erreichbar. Die Simulation sagt voraus, dass die optimale Position des Chassis auf 55 cm, gemessen vom Anfang der Line ist. Durch diesen Umstand sitzt der TMT so weit vom Deckel entfernt, dass der Breitbänder mit in die Line integriert werden muss. Würde man ihn über die eigentliche Line setzen, wäre der Abstand zwischen den Chassis nicht nur in optischer Hinsicht zu groß. Also muss für den Breitbänder ein eigenes „Gehäuse“ her, dass ihn einerseits von den Bässen abschirmt, andererseits aber so wenig Platz wie möglich in der Line verschwendet. In der Grabbelkiste fand ich zwei Aufputz-Deckendosen, die auf den ersten Blick den perfekten Durchmesser aufwiesen.

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Abzweigdose außen

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Deckendose innen

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Natürlich kann das dünnwandige Ding nicht so jungfräulich verwendet werden und bedarf eines Pimps. Der vorstehende Pinökel für die Schraubendurchführung ragt 1 cm in die Dose rein. Aus 8 mm dicker Spanplatte habe ich zwei Scheiben gefräst, welche genau dem Innendurchmesser der Dose entsprechen.

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Holzscheibe mit 12 mm Bohrung

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In die Dose habe ich als nächstes etwa 2 mm hoch Heißklebepampe gespritzt und dann die Scheibe in den noch heißen Kleber gedrückt.

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Deckendose gepimpt

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Die Scheibe schließt bündig mit dem Pinökel ab. Den Pinökel selbst habe ich von außen ebenfalls mit Heißklebepampe gefüllt und den Ziernippel eingedrückt. Die Dose wird ebenfalls unter Zuhilfenahme von genügend Heißklebepampe hinter die Öffnung für den FRS7 geklebt

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Deckendose eingebaut

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Heißklebepampe erste Lage

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Die Öffnung wird nach der Durchführung des Anschlußkabels ebenfalls mit Heißkleber verschlossen. Die Seitenwand der Dose bleibt wie sie ist. Durch ihre Krümmung bietet sie hinreichende Stabilität. Vor dem Einbau des Breitbänders habe ich einen dünnen Streifen Polyesterwatte rund um die Öffnungen  des FRS 7 gelegt. Das war gerade so viel, dass das Chassis  sich noch problemlos einbringen lässt. Bei nächsten Mal würde ich übrigens eine Dose wählen, die ein paar Millimeter mehr im Durchmesser aufweist. Die Kabeldurchführung sollte dann wesentlich weniger fummelig von der Hand gehen. Natürlich sind auch andere Lösungen für ein BB-Gehäuse möglich. Es sollte aber so klein wie eben möglich sein.

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Nun konnte es los gehen mit den Messungen der unbeschalteten Chassis im Gehäuse

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TMT nur Fernfeld in TQWT

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Der Amplitudenverlauf des TMT ist sehr linear, und auch an seinem oberen Ende zeit er ein gutmütiges Verhalten ohne allzu starke Resonanzerscheinungen. Die Idee, dem Baffle Step mit einer „zu großen“ Spule auf den Pelz zu rücken, scheint sich in die Tat umsetzen zu lassen.

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FRS 7 unbeschaltet

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Durch das sehr kleine Gehäuse kann der Breitbänder keine tiefen Töne mehr abstrahlen. Der Amplitudenverlauf ist aber auch hier vollkommen in Ordnung und frei von Boshaftigkeiten. Die beiden Grafiken zeigen die bereits in Boxsim importierten Daten der Chassis. Recht schnell ließ sich aus den beiden  Einzelkurven eine ansehnliche Simulation herleiten.

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Simulation Achse mit Energiefrequenzgang, Zweigen und Impedanzverlauf

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Simulation Achse mit Energiefrequenzgang

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Simulation Abstrahlverhalten

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Die Frequenzweichenschaltung kann erfreulich einfach ausfallen. Der 12 dB Tiefpaß besteht aus lediglich 2 Bauteilen. Der FRS 7 wird mit 18 dB angekoppelt und benötigt ein Korrekturglied, welches aus 3 preiswerten Bauteilen besteht und einen Vorwiderstand zur Angleichung des Pegels.

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Weichenschaltplan

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Warenkorb für die Save Up Frequenzweiche bei quint-store.com

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Natürlich war ich sehr neugierig darauf, ob sich das problemlose Verhalten aus der Simulation auch in die Praxis übertragen lässt. Die Weiche wurde zusammen gesteckt und mit dem Lautsprecher verbunden, welcher in leicht erhöhter Position auf dem Drehteller Platz genommen hatte.  fff

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Messung „Save Up“ 0° – 60° im Fernfeld

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Die Messungen spiegeln quasi die Simulationen wider, wobei das Winkelverhalten in der Realität noch einmal deutlich besser ist.

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Portanteil und Membranschall im Nahfeld

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Legt man zugrunde, dass die Amplitude durch den Baffle Step nicht zu höheren Frequenzen hin allmählich abfällt, bleibt die Resonanzspitze im Bereich 1,9 kHz runde 20 dB unterhalb des Bezugspegels. No Problem!

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CSD

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Auch das Ausschwingverhalten zeigt keinerlei Boshaftigkeiten, und das Abklingen geht schnell vonstatten.

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Klirr @ 85dB

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Klirr @ 90dB

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Das Klirrverhalten zeigt keine Auffälligkeiten, sie Anlass zur Sorge geben.

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Impedanzverlauf

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Insgesamt verläuft die Impedanzkurve der „Save Up“ auf relativ hohem Niveau. Der Lautsprecher stellt keine Besonderen Anforderungen an den betreibenden Verstärker. Auch in dieser HInsicht greift der ULB-Gedanke.

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Bau- und Bedämpfungsplan

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Ich wünsche viel Spaß beim Nachbau… 🙂

 

HiFi-Forum User fostex2 schreibt per PM

Moin Alex,

heute früh um 00:50 Uhr war es soweit: Die Save Up wurde im Kellerraum in Betrieb genommen. Natürlich mit verhaltener Lautstärke, damit die Familie nicht aus dem Tiefschlaf geweckt wird.

Das, was meine Ohren auf die Kürze eingefangen haben, war extrem gut.
Es ist schlichtweg unglaublich, was die ULB Speaker (ein anderer User hat die 13-er Bässe ja als „Industrieschrott“ bezeichnet) mit Deiner genialen Beschaltung und der sorgfältig kalkulierten TQWT klanglich zu Tage bringen. In den nächsten Tagen folgen ausführliche Hörtests und ein kurzer Erfahrungsbericht im Forum …

Für mich (Breitbandfreund) ist das eine völlige Umkehrung aller gemachten Erfahrungen bzw. Annahmen im Lausprecher Selbstbau. Die generelle Frage die sich mir stellt ist:
Wie kann ein Billig-Zweiwergerich eine so differenzierte räumliche Abbildungsleistung produzieren – und das mit einem 18db Filter im Hochtonbereich (geht doch „eigentlich“ gar nicht)?
Für die Zukunft stellt sich mir eine weitere Frage: Lohnt es überhaupt, viel Geld in hochwertige Breitbänder (wie z.B. Tangband W8 2145 oder HiWell/L.Cao) zu investieren, wenn mit so kleinem Budget ein so hochwertiges Hörerlebnis realisiert werden kann? Zumal hier die breitbandtypischen Nachteile (Kompression bei hohen Lautstärken + geringeres Auflösungsvermögen) entfallen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Save Up bei gehobenem Pegel und insbesondere unter basslastiger Musik verhält. Werde mal einen Test mit BigBand Musik (Clark Terry – Big Band Basie) und Mari Nakamoto „What a Difference a Day Made“ bzw. „Gerogia on my mind“ durchführen.

Soweit die ersten Eindrücke zur Save Up. Ich bin sicher, das Projekt wird ein Hit. (Solltest Du unbedingt Holger Barske vorführen – ein Cheap Trick in der Klang und Ton wäre auf jeden Fall sicher).

Soweit meine ersten Eindrücke …

Großes Kompliment und vielen Dank für das tolle Projekt, Alex.

Beste Grüße
H.

 

HiFi-Forum User fostex2 legt im Forum wie folgt nach

Ein herzliches Dankeschön an Alex für diesen weiteren Volltreffer im ULB Selbstbau Segment.

Ich habe die Save Up vor gut zwei Wochen fertiggestellt und seitdem diverse Hörsessions durchgeführt.
Das Resultat ist verblüffend. Diesem Lautsprecher fehlt definitiv NICHTS:

Die Auflösung und Instrumentenfeinzeichnung sucht (in dieser Preisklasse) ihresgleichen.
Es wäre sicher ohnehin verkehrt, diesen Lautsprecher anhand der Chassis- bzw. Herstellungskosten einzuordnen. Die Save Up spielt richtig groß auf. Selbst komplexe Orchesterpassagen und BigBand Musik klingen differenziert und absolut realistisch.
Auch basslastige Musik wie Jazz-Aufnahmen mit Solo Kontrabass oder Bassgitarren werden in ordentlicher Größe abgebildet. Sicher sind im Maximalpegel irgendwo Grenzen gesetzt, aber wer einen Party Lautsprecher erwartet, hat sicher die falsche Wahl getroffen.

Der Visaton FRS 7 (eigentlich ein Breitbänder), welcher hier zum Hochtöner kastriert wurde, verrichtet seine Aufgabe hervorragend. Er zeichnet sehr fein und ausgeglichen. Der Visaton hat bisweilen zu Unrecht wenig Beachtung bei der Auswahl neuer Projekte gefunden.
Alles in allem meiner Meinung nach ein Lautsprecher, der auch gehobene Ansprüche zufriedenstellt, und der sicher noch viele Nachbauer erfreuen wird.

 

Nachbauer Hannes K. schreibt per Mail:

Hey Alex

Ich habe soeben die erste Box fertig gestellt. Was soll ich sagen, ich bin mega überrascht was da rauskommt. Wahnsinn! Der Breitbänder war anfangs etwas quäksig, noch das Sonofil eingesetzt und wow. Schöne weiche Höhen ohne Nerven. Tolle Bässe, bei Marteria kommt der Tieftöner ordentlich ins wabbeln.Jetzt kommt noch die zweite Box unter den Lötkolben. Bin sehr gespannt wie es sich dann im Stereomodus anhört. Ich sage jetzt schon mal Danke für diese tolle Box. Werde im Forum darüber auch noch einige Worte verlieren.

Die zweite Box ist auch fertig und ich lausche schon beeindruckt im Stereomodus. Im Direktvergleich hat sie den Freundin-Test schon bestanden, sie dürfen bleiben. Es ist unglaublich was du da gezaubert hast. Feuertaufe mit Dire Straits, Jack Johnson und diverser Akustik bestanden.

Meine Hochachtung vor deiner Leistung. Ich kann nur erahnen, was du mit „richtigen“ Chassis anstellst. Wie Fostex2 es schon schrieb: man stellt sich ernsthaft die Frage, ob man mehr Geld in Lautsprecher investieren muss. Die Dinger haben ein riesiges Spaßpotential.

Nochmal vielen Dank! Lass es dir gutgehen.

Liebe Grüße Hannes

 

 

Hifi-Forum User „Old Light“ schreibt:

Top Lautsprecher, bisher haben sie allen mehr als nur gefallen.
Bei der 1m Bauweise habe ich die Weiche und das Terminal einfach unterhalb anbringen können.

Ein Kommilitone war so bereistert, dass er auch gern ein Paar hätte, leider ist die Bauhöhe auf ca. 50cm begrenzt. Damit müssten Terminal und Weiche in den Lautsprecher selbst. Wirkt es sich negativ aus, wenn die Weiche oben an der Rückwand sitzen würde? Der Boden bietet leider durch das eingebaute Brett nicht genug Platz.

 

HiFi Forum User „Musikschlumpf“s erster Eindruck:

Meine SaveUP sind mittlerweile fertig und klingen. 
Ich muss noch ein paar Stunden ins Land gehen lassen bevor ich mich zu einem ehrlichen, nicht emotionalen Feedback bewegen lasse. Nur soviel sei gesagt: meine Erwartungen an solch billige Chassis wurde weit übertroffen.
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 „Musikschlumpf“ schreibt im HiFi Forum nach einem längerem Höreindruck:

Hallo,

Nach vielen Stunden Einhören möchte ich meinen subjektiven Höreindruck teilen.
Ich vergleiche die ULB (Ultralowbudget) Lautsprecher mit meinen vorhandenen Monitor Audio Rx1 Kompaktlautsprecher. Eine TQWT gegen ein BR.

 

Aufgrund das ich überall sehr positive Worte gegenüber dem TQWT Konzept lese, aber ich es bislang nicht live hören konnte, wagte ich den Schritt und baute die Saveup nach. Mega günstige Chassis, und ein leichter Aufbau für einen Heimwerker. Soweit die Theorie. In der Praxis gab es aber doch einige Kniffe und Schritte zu beachten. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich mit einer Oberfräse auseinandersetzen und mit dem Fräszirkel arbeiten. Hat leider nicht ganz so hervorragend geklappt, zwei Fräsungen waren zu groß und die anderen vier zu klein. Viel Feilen und Schleifen war die Folge. Auch der Bau der Weiche, vorallem die Positionierung der Bauteile, war für mich nervenaufreibend.

Letztendlich hat mich aber alles vorangebracht und ich bin nicht dümmer geworden.

Nach dem finalen kleben der Seitenwand musste ich unbedingt sofort die Box anschließen. Kurz vor dem Einschalten des Verstärker hatte ich schwitzige Hände, kommt da jetzt Ton raus, oder explodiert die Weiche? Es tönte…. ein dickes Grinsen überkam mein Gesicht. Ich spielte etwas Pop und wechselte zwischen links (Saveup) und rechts (RX1) hin und her. Links war es etwas leiser, aber der Breitbänder hat sich schön angehört, Bässe waren auch deutlich und, ohne aufdringlich zu werden, präsent. Meine Freundin kam aus dem Nebenzimmer und meinte dass die Box ganz schön laut spielt. Ich machte ihr klar das es sich um die „Neue“ handele. Ein kurzer Hinweis worin der Unterschied der beiden Lautsprecher bestand, und zwei Balancereglerdrehungen später, war sie von der Saveup überzeugt. Sie klang fürs Frauenohr ausgewogen und ruhiger. Eins zu null für die Saveup. Ich höre ohne Loudness, regel mir aber die Tiefen und Höhen je nach Medium nach, habe keinen Anspruch auf Audiophil.

Ich verklebte die zweite Box und klemmte beide an. Das Probehören konnte beginnen.
Meine Musik beläuft sich auf Rock, Pop, Jazz, viel Akustik und Singer-Songwriter. Los ging’s mit diversen Popsongs von Cluesos letztem Album „Stadtrandlichter“. Sehr guter melodischer Pop mit markanter Stimme von Clueso. Die Cd ist gut abgemischt, satte Instrumente, jede Menge Druck, und klare Stimme des Sängers. Der kastrierte Breitbänder haut einem die Höhen klar und ohne nerv entgegen, prima. Die Bässe kommen recht trocken, man spürt sie nicht am Körper, aber der Raum wird gut gefüllt und der Klang fügt sich nahtlos mit den Höhen zu einem ausgewogenem Gesamtbild zusammen. So muss das!

Weiter ging’s mit dem Klassiker schlechthin: Direstraits mit Sultans of Swing. Hier fliegen einem die Basssaiten schon zu Beginn um die Ohren. Auch hier spielt die Box die Bässe gut in den Raum, ganz unaufgeregt aber präsent. Wenn dann Mark Knopfler anfängt seine Stimme zu erbeben, bekommt man erstmal Gänsehaut. Man hört einfach nur zu und genießt, nichts nervt, beim schließen der Augen baut sich eine kleine Bühne auf. Man kann Instrumente und Sänger gut orten. Die Magie des Breitbänder beginnt. Wenn man nicht wüsste das es sich um ein zehn Euro Chassis handeln würde, man glaubt es nicht was da Stimmen rauskommt. Großes Kino.

Nun packte ich die Referenz aus: Chris Jones – No Sancruary Here. Ein unglaublich dynamischer Song mit jeder Menge Druck und kristallklaren Stimmen. Nicht ohne Grund ein Referenztrack für Highend Lautsprecher. Hier spielt die Saveup richtig schön fett auf, die Bässe schnalzen, man spürt sie am Körper, und die Box spielt richtig gruselig tief. Auch die Stimme wird einem entgegengehauen als würde Chris Jones vor einem stehen. Großes Kino Alex, und das aus einem drei Euro Chassis!

Sicher sind solche Referenzen nicht alltagstauglich, weil man solch sauber definierte Musik nur selten zu Gehör bekommt. Also startete ichv Amazon Prime Music und wühlte mich durch diverse Pop, Rock und Hip-Hop Playlists. Allesamt poppig abgemischt, viel Kickbass, viel Gequäke der hippen Girlies. Hier kam wieder der gutmütige Breitbänder und bügelte die Höhen angenehm mollig ins Ohr. Nichts nervt, die Box spielt einfach, so muss ein Lautsprecher für den Alltag klingen.

Nach meiner beflügelten Meinung zur Saveup, musste ich natürlich den Vergleich zur Monitoraudio ziehen. Ich hörte stundenlang die gleichen Alben, stöpselte um, hörte es auf der anderen Box…

Die RX1 drückt den Bass nach hinten an die Wand, dadurch wird viel Druck suggeriert. Allerdings werden dabei auch Moden angeschwungen, es wirkt nicht so recht passend zum Rest. Dafür hat die RX1 den deutlich wertigeren Hochtöner. Kristallklar, fast schon kalt analytisch kommt der im Gegensatz zum Frs7 daher. Aber dadurch ist er bei deutlich dominanten Instrumenten und Stimmen kurz vor der Grenze zum nerven. Die Bässe kann die RX1 auch etwas fein strukturierter wiedergeben. Fällt bei Pop allerdings nicht auf, da braucht es schon feinfühlige Aufnahmen von z.B. Anna Ternheim oder Emily Barker. Großes Plus der Saveup: bei gehobener Zimmerlautstärke ist der Klang sehr ausgewogen, feine Höhen, unaufdringlicher Bass. Die RX1 hat bei der Lautstärke zuviel Bass durch die hintere Öffnung, das fängt ganz schnell an zu dröhnen.

Als Fazit möchte ich sagen:
Alex hat hier für ein überschaubares Budget einen ganz hervorragend klingenden Lautsprecher gezaubert. Das Pärchen eignet sich hervorragend für klassischen Rock aus den 70/80ern. Sehr gute Aufnahmen spielen ganz groß auf, schlechte klingen unaufregend lasch. Das TQWT Konzept geht vollkommen auf, der zum Hochtöner kastrierte Breitbänder spielt ganz hervorragend auf, nervt auch bei grenzwertigen Aufnahmen (Simon&Garfunkel, Kate Bush…) nicht. Weniger tauglich sind die Saveup für Elektro und Hip-Hop, da fehlt der Druck und das Volumen. Für den Normalhörer/Studenten/JemanddergerneinenLautsprecherbauenmöchte eine tolle Einstiegsdroge. Bauen, hören, Spaß haben! Danke Alex.

Freundlichst,
Hannes

 

 

 

4 Kommentare

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  1. Martin Richardt

    Schönen Dank für den Bauvorschlag. Ich plane diesen zu realisieren. Da der Tiefmitteltöner so günstig zu haben ist, beschäftigt mich die Frage, ob durch die Verwendung mehrerer dieser Chasis Verbesserungen möglich sind. Dabei könnte evtl. eine ganz andere Boxenart herauskommen. Ist das unrealistisch oder welche aussichtreichen Möglichkeiten gibt es noch?

    Schöne Dank
    Martin

  2. admin

    Hallo Martin,

    es freut mich, dass Du Dich zum Nachbau der „Save Up“ entschieden hast. Durch den Einbau mehrerer der verwendeten TMT kannst Du das Konzept der „Save Up“ nur verschlechtern. Sowohl das Gehäuse als auch die Frequenzweiche sind für den Betrieb mit nur einem TMT ausgelegt und abgestimmt. Natürlich kann man Lautsprecher mit einer größeren Anzahl dieser TMT realisieren. Das erfordert jedoch eine komplett neue Entwicklungsarbeit.

    Viele Grüße

    Alex

  3. Artur

    Hallo Alex,
    super interessantes Projekt!
    Ich überlege es nachzubauen.
    Ich frag mich, ob ich meine FR58 irgendwie hier wieder verwenden kann. Ich hatte eine mobile Box damit gebaut, bin aber mit dem Ergebnis unzufrieden (hatte für mich zu wenig von den tieferen Tönen) Vielleicht könnte ich sie ja wiederverwerten dafür, da ja nur der Hochton-Bereich verwendet wird.
    Aber vermutlich ist es nur ein Wunschdenken?
    Beste Grüße,
    Artur

  4. admin

    Hallo Artur,

    wie Du schon richtig vermutest, ist die Verwendung des FR58 Wunschdenken. FRS7 und FR58 sind akustisch so derart unterschiedlich, dass eine komplette Neuabstimmung der Weiche nötig wäre.

    Viele Grüße und Gutes Gelingen

    Alex

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