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Hans Dampf

Die Welt ist von Missverständnissen geprägt. Ursache dafür ist, dass es auf der Sender/Empfänger-Ebene zu Problemen in der Kommunikation kommt. Der Sender übermittelt eine Nachricht, die der Empfänger nicht so interpretiert, wie der Sender es sich vorgestellt hat. Um im Fall des hier vorgestellten Lautsprechers ein grundlegendes Missverständnis auszuschließen, weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass es sich nicht um einen PA-Lautsprecher handelt. Auch wenn die meisten der verwendeten Chassis diesen Schluss zulassen, handelt es sich dennoch um einen HiFi-Lautsprecher. Na gut, um einen solchen, der es auch mal krachen lassen kann.

Um den Tieftonbereich kümmert sich ein guter, alter Bekannter der 8 Zoll Klasse. Der bewährte Monacor SP-8/150PRO darf hier gleich im Doppelpack antreten.

Monacor SP-8/150PRO

 

Die TSP qualifizieren das Chassis für eine Unterbringung in einem 30 Liter großen BR-Gehäuse, in welchem eine untere Grenzfrequenz -3dB von rund 40 Hz erzielbar ist. Dazu wird die Abstimmung etwas tiefer gelegt, als sie im Normalfall optimal wäre. Im weiteren Verlauf erkläre ich, warum ich das so gemacht habe.

2 x SP-8/150PRO in 60 Litern BR

 

Da die Trennung zum Mitteltöner recht tief erfolgt, ist es unumgänglich, den Amplitudenverlauf der beiden Tieftöner zu entzerren. Dieser bäumt nämlich durch eine Wechselwirkung des Tiefpassfilters mit dem zweiten Impedanzhöcker auf, was zu einem unangenehmen One-Note Bass führt. Um das zu visualisieren, habe ich weitere Simulationen angefertigt.

2 x SP-8/150PRO mit Tiefpassfilter und Linearisierung des Impedanzanstiegs

 

Die schwarze Kurve zeigt den zu erwartenden Verlauf bei Beschaltung der Tieftöner mit einem 12dB Tiefpassfilter und einer Linearisierung des Impedanzanstiegs. Erst ein zusätzlicher Saugkreis, der den zweiten Impedanzhöcker der BR-Abstimmung entzerrt, sorgt hier für Linearität. Die rote Kurve zeigt im Vergleich noch einmal den Verlauf der unbeschalteten Chassis.

2 x SP-8/150PRO mit Tiefpassfilter, Linearisierung des Impedanzanstiegs und Saugkreis

 

Hier zeigt die rote Kurve den zu erwartenden Verlauf bei Beschaltung der Chassis mit einem zusätzlichen Saugkreis. Im Vergleich mit der schwarzen Kurve verläuft die Amplitude nun wunschgemäß. Positiver Nebeneffekt dieser Maßnahme ist, dass die eigentlich etwas zu tiefe Abstimmung nun den Pegel des Gesamtsystems vorgibt. Durch geschickte Dimensionierung des Saugkreises wird der Pegel der Tieftöner im Oberbass ein wenig zurück genommen.  Übrig bleiben satte 93dB und die oben schon angesprochene untere Grenzfrequenz mit ihrem -3dB Punkt bei rund 40 Hz. Hier spielt uns der recht hohe Impedanzverlauf des SP-8/150PRO in die Karten, der es erst erlaubt, diese Dimensionierung des Saugkreises vorzunehmen, ohne dass der Impedanzverlauf des Gesamtsystems in kritische und somit unzulässig niedrige Bereiche abfällt.

Simulierter Impedanzverlauf des voll beschalteten Tieftonzweiges

 

In der Praxis wird diese Kurve ein wenig anders aussehen, da die oben gezeigte lediglich auf Basis der elektrischen Parameter der Chassis erfolgte. Die Gehäusekonstruktion greift mit ihrer Schallwand natürlich noch in den Amplitudenverlauf der Chassis ein. Das macht in der Praxis andere Bauteilewerte notwendig. An obigem Beispiel sollen lediglich die Funktionsweise und die dahinter stehende Idee verdeutlicht werden.

Schematische Darstellung des Tiefpasses nach obiger Vorgehensweise

 

Als Mitteltöner wäre in der Kombination mit den beiden 8 Zöllern durchaus ein 5 Zoll Chassis denkbar gewesen. Leider gibt es davon nicht viele, die mit dem Tieftongespann mithalten können. Die meisten sind zu leiser und/oder zu teuer. Also habe ich mich nach einem größeren Chassis umgesehen und bin schließlich bei einem feinen Engländer hängen geblieben, auf den die Wahl letztlich auch fiel. Der Celestion TF-0615 vereint viele positive Eigenschaften zu einem moderaten Preis. So ist er hervorragend verarbeitet und bietet genügend Pegel. Weiterhin glänzt er durch einen ziemlich linearen Frequenzgang, und, nicht zuletzt, ist er mit einem mittleren deutschen Marktpreis von 45,- Euro preiswert. Bei den freundlichen Franzosen von TLHP werden sogar nur 31,28 (Stand 12.02.2019) fällig.

Celestion TF-0615

 

Ziel der Entwicklung war, neben hoher Empfindlichkeit, ein ausgewogenes Abstrahlverhalten, auch unter Winkeln zu erreichen. Obwohl es eine veritable Auswahl an Kalottenhochtönern gibt, die genügend Pegel für das Zusammenspiel mit dem TT/MT-Zweig mitbringen, ist es nicht ohne größere Klimmzüge möglich, das gesetzte Ziel zu erreichen. Hierfür sind bei Verwendung eines Kalottenhochtöners ein Waveguide und aufwendigere Fasen vonnöten. Einfacher geht das mit einem Hochtöner, der bereits eine stärkere Schallführung mitbringt. Als geeigneter Kandidat stellte sich der, ebenfalls erfreulich preiswerte, Fountek NeoCD 3.5 H heraus. Dieser echte Bändchen Hochtöner liefert durch sein vorgesetztes Horn hohen Pegel und die notwendige Bündelung für die Kombination mit dem 6,5 Zoll Mitteltöner. Eine recht hohe Trennfrequenz sorgt zudem für eine entsprechende Betriebssicherheit des Hochtöners.

Fountek NeoCD 3.5H

 

Stay tuned… 🙂